Wilhelmsburger Rathausviertel

CIRCULAR ECONOMY IM WILHELMSBURGER RATHAUSVIERTEL, HAMBURG, WETTBEWERB, 2023

100 Jahre ist der „International Style” jetzt alt. Ein kurzes Zeitfenster, in dem die internationalisierte Architektur, die von dem Grundgedanken ausgeht, dass jedes Material überall auf der Welt zur Verfügung steht und regionale Abhängigkeiten nicht relevant sind, ein hervorragende Rolle spielte. Auch hundert Jahre gehen vorbei. Heute baut man am besten wieder mit dem, was da ist. Neben den herkömmlichen regionalen Rohstoffe existieren jetzt viele neue, zusätzliche Rohstoffe, die durch Wiederverwendung und Wiederverwertung in den Bauprozesse integriert werden.

Da vor hunderten Jahren die regionalen Baumeister schon am besten wußten, wie man effizient mit vorhandenem oder gefundenem baut, entsteht das Projekt Wilhelmsburger Fachwerk aus dem Prinzip einer alten weit verbreiteten, aber dennoch regionalen Bauweise: Dem Fachwerkbau. Aus Stiel, Ständer, Strebe und Schwelle konnten mit wenig Holz- und Materialeinsatz ganze Häuser entstehen. War das Fachwerk errichtet, erkannte der Nachbar eine städtebauliche Figur, eine Körnung - einen Raum. Zum Ausfüllen der Zwischenräume konnten Materialien eingesetzt werden, die vor Ort verfügbar waren: Flechtwerk mit Lehmbewurf, Lehmwickel mit Kalk- oder Lehmputz oder Auslage- rungen aus Backsteine, Bruchsteinen oder Lehmbausteine. Je nach Bauart wurden die Ausfachungen verputzt oder wenn nicht gewünscht, eben auch nicht. Das Zusammenspiel von Struktur und Ausfüllen, von Städtebau und Architektur oder Raum und Oberfläche ist Grundlage für das neue Wilhelmsburger Fachwerk. Ein Holzskelett mit Betonsockel und -kern bilden die Struktur die, durch Holzständerbauweise in der Lage ist, alle verfügbaren Materialien aufzunehmen, die gefunden wer- den können: Ausfachungen durch einjährig nachwachsenden Dämmstoffe, Lehmstein oder alte Dämmung - von Innen Holz oder Lehmputz, wenn überhaupt nötig - Fenster in allen Größen - Und vorgehängte oder vorgestellte Fassaden aus wiederverwendetem Stein, Metall, Holz oder was sich gerade anbietet. Das Fachwerk ist die beste Bauweise, wenn man mit dem bauen möchte, was da ist.

Projektteam

RAMONA SCHEFFER
Julia simon
axel burkhard
MICHAEL AHMED ABD ALLA
Juana Altergott
Paula LIOBA MÜLLER
SARA MANTOVANI
Yannick Eiser
SÁRA ŠNEJDAROVÁ
Clara Stöcker
Artur Miro Mangold
SARAH YAPARSIDI

VISUALISIERUNGEN: INDIEVISUAL AG, ZÜRICH

Eine Kulturleistung

Durch die Anwendung vergangener Methoden, die aufgrund realistischer Erfahrungen von Verfügbarkeit und Anwendbarkeit entstanden, entsteht eine Konstruktionsweise, die sich wieder zurück- besinnt auf das, was machbar ist. Dabei liefert die Neuauflage der Herangehensweise Ihre Anwender (Planer) und Ihre Nutzer nicht radikal der Ideologie aus. Vielmehr sind alle gefordert aus den neuen Umständen und den neuen Verfügbarkeiten hochwertige, nachhaltige und wirtschaftliche Architektur und Umgebung zu gestalten. Eine im Wortsinne kulturelle Leistung.

Effizienz, Suffizienz und Konsistenz

sind Ideale, die der Nachhaltigkeitslehre entstammen, aber unmittelbar auf Architekturmethodik als Kriterium angewandt werden können. Sie beschreiben den effizienten Einsatz von Raum und Material, die optimale Ausnutzung der zu Verfügung stehenden Fläche, des Grundstücks oder der Landschaft. Sie erzeugen Wertschätzung für fachlich ausreichende (suffiziente) Bauelemente und für die damit einhergehende Ästhetik. Ihre konsistente Anwendung impliziert den wiederholbaren Einsatz des Materials ohne Ressourcen unwiderbringlich zu verbrauchen.

Lebensdauer und Flexibilität

Unmittelbare Auswirkung auf das Erreichen dieser Ideale hat die Lebensdauer des geschaffenen Werkes. Besser noch als Rückbau und Wiederverwendung ist Umnutzung oder umgestaltete Weiternutzung. Auch im Wohnungsbau ist hier ein flexibler Skelettbau anderen herkömmlichen Massivbauweisen überlegen. Eine stetige Veränderung der Ausbaueinheiten ist Teil der DNA dieser Konstruktion. Durch flexible Anwendung verschiedener „Ausfachungen“ des Holzskelettbaus entstehen unterschiedlichste Raum- und Nutzungssituationen, die sich leicht wieder rück- oder umbauen lassen ohne die Struktur des Gebäudes zu verändern. Zwei Aspekte sind von enormer Bedeutung für Nutzung, Raum und Atmosphäre:

1. Setzung und Raster

Ein gut gesetztes Skelett basiert auf einem Raster, das möglichst viele verschiedene Nutzungen antizipiert. Das Skelett wird ein struktureller Möglichkeitsraum, der sowohl Wohnungen als auch Büro- und Gewerbeflächen zulässt. Nebeneinander entstehen einfache Familien- und Singlewohnungen mit 1-5 Zimmern, Clusterwohnungen, Betreutes Wohnen, Loftwohnung, Townhouse oder Büro-oder Gewerbefläche.

2. Oberfläche und Eigenschaft

Funktionale Organisation und räumliche Komposition gehen einher mit den Möglichkeiten, der einbaubaren Bauteile sowie ihrer Oberflächen und ihrer physikalischen Eigenschaften. Eine große Varianz an einbaubaren, vorzugsweise wiederverwendeten, Materialien garantiert die maximale räumliche und atmosphärische Flexibilität und damit maximale Dauerhaftigkeit des Gebäudes.

Konstruktionsmethodik

innenwandoptionen

1 Zimmertrennwände
2 möbel & systemwände
3 raumtrenner
4 wohnungstrennwände

Terrassenhäuser

Townhaus

Pflege haus